Amigurumi Teile annähen gelingt, wenn du jedes Teil zuerst mit Stecknadeln ausrichtest und dann mit dem langen Endfaden und einer stumpfen Stopfnadel befestigst. Offene Teile wie ein Kopf werden Masche für Masche rundum angenäht, flach gedrückte Teile wie Ohren nähst du durch beide Lagen. Kleine, gleichmäßige Stiche halten fester und bleiben fast unsichtbar.
Bevor du nähst: die Teile vorbereiten
Die meisten Amigurumi-Anleitungen enden bei jedem Teil mit einem Hinweis wie „Faden lang lassen zum Annähen“. Dieser Endfaden ist dein Nähfaden. Er hat die richtige Farbe, und du musst keinen neuen Faden ansetzen, der sich später lösen könnte. Lass ihn lieber zu lang als zu kurz: 30 bis 40 Zentimeter reichen für einen Arm, für einen Kopf darf es mehr sein.
Prüfe vor dem Annähen, ob jedes Teil so gestopft ist, wie die Anleitung es verlangt. Arme und Beine sind oft nur im unteren Drittel gefüllt, damit sie beweglich bleiben. Köpfe und Körper werden fest gestopft. Nach dem Annähen kommst du an die Füllung nicht mehr heran.
Das brauchst du
- Eine Stopfnadel mit stumpfer Spitze und großem Öhr. Die stumpfe Spitze schiebt sich zwischen die Maschen, statt das Garn zu spalten.
- Stecknadeln mit Glas- oder Kunststoffkopf, damit sie nicht im Gestrick verschwinden.
- Eine kleine Schere.
- Optional: Maschenmarkierer, um Positionen zu markieren, zum Beispiel „Arm zwischen Runde 12 und 13“.
Offene und geschlossene Teile: welcher Stich wofür
Entscheidend ist, ob das Teil offen bleibt oder vor dem Annähen geschlossen wird. Die Tabelle zeigt die üblichen Kombinationen.
| Teil | Zustand beim Annähen | Wie du nähst |
|---|---|---|
| Kopf auf Körper | offen, beide gestopft | rundum durch jede Masche der letzten Runde und eine Masche des Körpers |
| Arme, Beine | Öffnung flach zusammengelegt | durch beide Lagen der Öffnung und den Körper |
| Ohren | flach oder leicht gewölbt | entlang der Unterkante, vorne und hinten je eine Reihe Stiche |
| Schnauze, Bäuchlein | offen, leicht gestopft | rundum am Rand, zum Schluss vor dem letzten Stich nachfüllen |
| Schwanz | geschlossen oder flach | mit einigen Stichen an einer Stelle festnähen |
Der Stich, den du dabei am häufigsten brauchst, ist der überwendliche Stich: Die Nadel geht durch die Masche des angenähten Teils, dann durch eine Masche des Körpers, und der Faden legt sich dabei um die Kante. Bei offenen Teilen nimmst du je Masche der letzten Runde einen Stich.
Schritt für Schritt: ein offenes Teil annähen
1. Ausrichten und feststecken
Setze das Teil an die Stelle, die deine Anleitung angibt, und stecke es mit vier Stecknadeln fest: oben, unten, links und rechts. Schau dir die Figur von vorne, von der Seite und von oben an. Gerade bei Köpfen lohnt sich ein zweiter Blick, denn ein Kopf, der zwei Maschen zu weit seitlich sitzt, gibt der ganzen Figur einen schiefen Ausdruck.
2. Erste Stiche setzen
Fädle den Endfaden in die Stopfnadel. Stich unter beiden Maschengliedern einer Masche des Körpers durch, die direkt am Rand des angesteckten Teils liegt. Dann stichst du von außen nach innen durch die nächste Masche der letzten Runde des Teils. Ziehe den Faden an, bis die Kanten sich berühren, aber nicht so fest, dass sich das Gestrick kräuselt.
3. Rundum nähen und nachfüllen
Arbeite dich rundum vor, jeweils eine Masche am Teil, eine Masche am Körper. Entferne die Stecknadeln erst, wenn du an ihnen vorbei bist. Vor den letzten zwei, drei Stichen kannst du mit der Nadelspitze etwas Füllwatte nachschieben, damit der Übergang straff bleibt. Bei einem Kopf lohnt sich eine zweite Runde Stiche, versetzt zur ersten. Der Hals wird dadurch stabiler und wackelt später nicht.
4. Faden verstecken
Zum Schluss führst du die Nadel quer durch den Körper und kommst an einer anderen Stelle wieder heraus. Faden leicht anziehen, dicht an der Oberfläche abschneiden, loslassen: Das Ende zieht sich ins Innere zurück. Wie du Endfäden noch zuverlässiger sicherst, steht im Beitrag Amigurumi schließen und Fäden vernähen.
Flache Teile: Ohren und flach gelegte Arme
Ohren werden meist nicht gestopft. Viele Anleitungen lassen sie offen und sagen, du sollst die Öffnung flach zusammendrücken. Dann nähst du durch beide Lagen gleichzeitig und durch die Kopfmaschen darunter. Damit Ohren nicht nach hinten kippen, setzt du entlang der Unterkante zwei Stichreihen: eine an der Vorderseite und eine an der Rückseite des Ohrs.
Arme und Beine, die flach angenäht werden, legst du mit der Öffnung so an, dass die Stiche in einer geraden Linie entlang einer Runde des Körpers verlaufen. Zähle dafür die Runden ab und nicht die Zentimeter. So sitzen beide Arme auf genau derselben Höhe.
Symmetrie: so sitzen beide Seiten gleich
- Runden und Maschen zählen: Markiere die Position eines Armes, etwa „Runde 14, Masche 3“, und zähle auf der anderen Seite genau so viele Maschen ab.
- Von oben prüfen: Schau senkrecht auf den Kopf der Figur. Ohren und Arme sollten spiegelbildlich zur Mitte liegen.
- Erst stecken, dann nähen: Stecke beide Teile gleichzeitig fest, bevor du das erste annähst. So siehst du die Wirkung als Ganzes.
- Gesicht berücksichtigen: Augen und Nase bestimmen, wo „vorne“ ist. Platziere sie vor den Ohren, oder stecke sie zumindest schon mit Nadeln ab. Mehr dazu im Beitrag Amigurumi Gesicht sticken.
Typische Probleme beim Annähen
Der Kopf wackelt: Der Hals ist zu locker gestopft oder es wurde nur eine Stichrunde gesetzt. Fülle durch eine kleine Lücke nach und nähe eine zweite Runde.
Man sieht die Stiche: Die Stiche sind zu groß oder der Faden wurde quer über mehrere Maschen geführt. Nimm jeweils nur eine Masche auf und ziehe den Faden so an, dass er zwischen den Maschen verschwindet.
Das Teil steht schief ab: Häufig wurde nur an einer Seite fest angezogen. Lockere die Stiche mit der Nadelspitze und verteile die Spannung neu, oder trenne die Naht auf und beginne mit Stecknadeln von vorn.
Der Endfaden reicht nicht: Setze einen neuen Faden in derselben Farbe an, indem du ihn durch einige Maschen im Inneren führst, und nähe weiter. Verknoten ist nicht nötig, wenn du das Ende ausreichend verwebst.
Wenn eine Anleitung „anhäkeln“ statt „annähen“ sagt
Manche Designer verbinden Teile mit festen Maschen oder Kettmaschen, statt sie anzunähen. Das ergibt eine sichtbare, leicht erhabene Naht und ist bei Kragen oder Säumen beliebt. Halte dich an die Methode in deiner Anleitung, denn sie bestimmt auch, wie viele Maschen das Teil in der letzten Runde hat.
In unseren Amigurumi-Anleitungen steht bei jedem Teil, ob es gestopft, offen gelassen oder flach angenäht wird. Lies diesen Hinweis, bevor du den Faden abschneidest, und lass den Endfaden großzügig lang.








