Ein Amigurumi-Gesicht stickst du mit einer stumpfen Stopfnadel und Garn direkt auf das gestopfte Teil: Augen mit dicht nebeneinander gelegten Spannstichen, die Nase als kleines Dreieck aus Plattstichen, den Mund mit Rückstichen. Die Fäden führst du durch den Kopf ein und aus, sodass kein Knoten außen sichtbar bleibt.
Warum gestickte Gesichter so beliebt bei Häkelfiguren sind
Gestickte Gesichter haben gleich mehrere Vorteile. Sie kommen ohne Kleinteile aus und sind deshalb die passende Wahl für Kuscheltiere, die zu Babys und Kleinkindern unter 3 Jahren wandern. Außerdem kannst du Form und Größe frei bestimmen: ein schmaler, schlafender Strich, ein rundes Knopfauge, ein kleines Herz als Nase. Und gefällt dir das Ergebnis nicht, ziehst du den Faden einfach wieder heraus.
Wenn du lieber Kunststoffaugen verwendest, findest du alles zur Technik in unserem Beitrag Sicherheitsaugen anbringen. Für Spielzeug für die Kleinsten empfehlen wir aber das Sticken.
Material für das Gesicht
- Stickgarn oder Häkelgarn: Ein glattes Baumwollgarn in Schwarz oder Dunkelbraun für Augen und Mund, Rosa oder Braun für die Nase. Sechsfädiges Stickgarn kannst du teilen und je nach Wirkung zwei bis sechs Fäden nehmen.
- Stopfnadel: lang genug, um quer durch den Kopf zu stechen, mit stumpfer Spitze, damit du den Faden der Maschen nicht spaltest.
- Stecknadeln mit farbigem Kopf zum Markieren.
- Weißes Garn oder Filz für einen kleinen Lichtpunkt im Auge, wenn du magst.
Erst planen, dann sticken
Ein Gesicht wirkt nur dann ruhig, wenn beide Augen in derselben Runde sitzen und der Abstand zur Mitte gleich ist. Stecke deshalb zuerst Stecknadeln an die Stellen, an denen Augen, Nase und Mundwinkel hinsollen. Zähle die Maschen zwischen den Nadeln und schau dir den Kopf aus etwas Abstand an.
| Gesichtsteil | Stich | Tipp |
|---|---|---|
| Rundes Auge | Spannstiche dicht nebeneinander über 1–2 Maschen | mehrere Lagen übereinander ergeben ein erhabenes Auge |
| Geschlossenes Auge | ein oder zwei leicht gebogene Spannstiche | Faden nicht zu straff ziehen, sonst wird der Bogen gerade |
| Nase | Plattstiche als Dreieck oder Oval | von der breiten Seite her zur Spitze arbeiten |
| Mund | Rückstich oder ein V aus zwei Stichen | Mundwinkel vorher mit Nadeln markieren |
| Wangen | ein paar lockere Stiche in Rosa | wirkt weicher als ein harter Farbfleck |
Den Faden ohne sichtbaren Knoten befestigen
Bei gestopften Figuren gibt es einen einfachen Trick: Du stichst an einer Stelle ein, die später verdeckt ist, etwa unten am Hals oder hinten am Kopf, und kommst genau dort heraus, wo der erste Stich beginnen soll. Lass ein Fadenende von ein paar Zentimetern hängen. Nach dem Sticken führst du den Faden wieder zu einer verdeckten Stelle, ziehst beide Enden leicht an und verknotest sie dort. Den Knoten ziehst du mit einem kleinen Ruck zwischen die Maschen in die Füllung. So sieht man außen nichts.
Ein netter Nebeneffekt: Wenn du die Enden beim Verknoten leicht anziehst, sinken die Augen ein wenig in den Kopf ein. Das gibt dem Gesicht Tiefe. Zieh aber nicht zu stark, sonst verformt sich der Kopf.
Augen sticken: Schritt für Schritt
1. Ausstich festlegen
Komm mit der Nadel am linken Rand des ersten Auges heraus, direkt neben einer Masche, nicht mitten durch den Faden.
2. Spannstiche legen
Stich ein bis zwei Maschen weiter rechts in derselben Runde wieder ein und komm direkt neben dem ersten Ausstich wieder heraus. Lege so mehrere Stiche dicht nebeneinander, bis die gewünschte Höhe erreicht ist. Für ein rundes Auge machst du die mittleren Stiche etwas länger als die äußeren.
3. Zweites Auge zählen statt schätzen
Zähle die Stiche des ersten Auges mit und wiederhole beim zweiten Auge genau dieselbe Anzahl über dieselbe Maschenzahl. So werden beide gleich groß.
4. Lichtpunkt setzen
Ein einzelner kurzer Stich in Weiß oben seitlich im Auge lässt den Blick lebendiger wirken. Setze ihn bei beiden Augen auf dieselbe Seite.
Nase und Mund
Für eine Dreiecksnase legst du zuerst einen waagrechten Stich als obere Kante. Dann arbeitest du Plattstiche von dieser Kante zu einem Punkt darunter, wie einen Fächer, bis die Fläche gefüllt ist. Eine Bärennase wirkt mit zwei Lagen voller.
Der Mund entsteht oft aus einem einzigen V: Komm unter der Nase heraus, stich am linken Mundwinkel ein, komm wieder unter der Nase heraus und stich am rechten Mundwinkel ein. Für ein Lächeln führst du den Faden in einem leichten Bogen und hältst ihn mit einem winzigen Überfangstich in der Mitte.
Wie Abstand und Höhe den Ausdruck verändern
Mit denselben Stichen entstehen ganz unterschiedliche Gesichter. Sitzen die Augen weit unten am Kopf und nah an der Nase, wirkt die Figur jung und rundlich, fast wie ein Baby. Rücken sie nach oben und weiter auseinander, sieht sie erwachsener und ruhiger aus. Kleine Augen mit viel Abstand passen zu Schafen oder Mäusen, größere, eng stehende Augen zu Eulen. Probiere zwei oder drei Varianten mit Stecknadeln aus, bevor du dich entscheidest, und mach von jeder ein Foto. Nebeneinander auf dem Bildschirm siehst du schnell, welche Variante zu deiner Figur passt. Auch die Nase spielt mit: Eine breite, flache Nase lässt das Gesicht gemütlich wirken, eine kleine, spitze eher keck.
Häufige Fehler und wie du sie vermeidest
- Das Gesicht wirkt schief: Augen sitzen in unterschiedlichen Runden. Vorher mit Nadeln prüfen und von vorne fotografieren.
- Die Stiche verschwinden in den Maschen: Das Garn ist zu dünn. Nimm mehr Fäden des Stickgarns oder ein etwas dickeres Garn.
- Der Kopf bekommt Dellen: Die Fäden wurden beim Verknoten zu stark angezogen. Locker lassen und lieber nachstopfen.
- Die Nadel spaltet das Garn: Spitze Nadeln stechen in den Faden. Eine stumpfe Stopfnadel gleitet zwischen den Maschen hindurch.
Gestickte Gesichter an Spielzeug für die Kleinsten
Auch ein gesticktes Gesicht sollte fest sitzen. Vernähe die Fäden gründlich im Inneren und vermeide lange, lose Schlaufen, in denen sich kleine Finger verfangen könnten. Weitere Punkte für Kuscheltiere, die zu Babys wandern, findest du in unserem Beitrag Kuscheltier für Babys häkeln.
Die Gesichtsangaben in unseren Amigurumi-Anleitungen nennen meist die Runde und den Maschenabstand. Nimm sie als Ausgangspunkt und entscheide dann mit Stecknadeln, ob dir der Ausdruck gefällt. Schon eine Masche Unterschied verändert das Gesicht, und genau darin liegt der Reiz: Jede Figur bekommt ihren eigenen Charakter.








