Eine Kugel häkeln geht so: 6 feste Maschen in einen magischen Ring, dann in jeder Runde 6 Zunahmen gleichmäßig verteilt, bis die gewünschte Breite erreicht ist. Danach folgen einige Runden ohne Zunahme, und zum Schluss nimmst du spiegelbildlich wieder ab. Vor den letzten Runden stopfst du die Kugel fest aus und ziehst die Öffnung zusammen.
Warum die Kugel die wichtigste Amigurumi-Form ist
Fast jede Figur enthält eine Kugel oder eine abgewandelte Kugel: der Kopf eines Bären, der Körper eines Vogels, eine Nase, ein Pompon am Hut. Wer die Kugel versteht, versteht auch, wie Ovale, Eier und Tropfen entstehen. Sie ist deshalb ein gutes erstes Übungsstück, bevor du eine ganze Figur nacharbeitest.
Gehäkelt wird mit festen Maschen in Spiralrunden. Die Technik für Zunahmen und Abnahmen ist im Beitrag Zunehmen und Abnehmen beim Häkeln genau erklärt. Hier geht es um den Bauplan der Kugel selbst.
Die Rundentabelle für eine Kugel mit 30 Maschen
Das folgende Beispiel ergibt eine kleine Kugel. Wie groß sie tatsächlich wird, hängt von Garn, Nadel und deiner Fadenspannung ab.
| Runde | Anleitung | Maschen |
|---|---|---|
| 1 | 6 fM in einen magischen Ring | 6 |
| 2 | 6× zun | 12 |
| 3 | (1 fM, zun) × 6 | 18 |
| 4 | (2 fM, zun) × 6 | 24 |
| 5 | (3 fM, zun) × 6 | 30 |
| 6–10 | 30 fM, ohne Zunahme | 30 |
| 11 | (3 fM, abn) × 6 | 24 |
| 12 | (2 fM, abn) × 6 | 18 |
| jetzt stopfen | ||
| 13 | (1 fM, abn) × 6 | 12 |
| nachstopfen | ||
| 14 | 6× abn | 6 |
„zun“ steht für eine Zunahme, also zwei feste Maschen in eine Masche, „abn“ für eine Abnahme, bei der zwei Maschen zusammen abgemascht werden.
Die Regel hinter der Tabelle
Die Tabelle folgt einem einfachen Muster: In jeder Zunahme-Runde kommt zwischen die Zunahmen eine feste Masche mehr. In Runde 3 steht vor jeder Zunahme eine feste Masche, in Runde 4 stehen zwei, in Runde 5 drei. Jede Runde wächst dadurch um genau 6 Maschen. Die Abnahme-Runden sind das Spiegelbild: Runde 11 entspricht Runde 5, Runde 12 entspricht Runde 4 und so weiter.
Daraus kannst du jede Größe ableiten. Für eine größere Kugel häkelst du weitere Zunahme-Runden, etwa (4 fM, zun) × 6 für 36 Maschen und (5 fM, zun) × 6 für 42 Maschen. Als grobe Faustregel brauchst du ungefähr so viele Runden ohne Zunahme, wie du Zunahme-Runden gehäkelt hast. Bei der 30er-Kugel sind es fünf Zunahme-Runden und fünf gerade Runden. Wird deine Kugel eher oval, nimm eine gerade Runde weg; wirkt sie flach, füge eine hinzu.
So wird die Kugel wirklich rund
Zunahmen versetzen
Liegen die Zunahmen in jeder Runde genau übereinander, bekommt die Kugel sechs leichte Kanten. Viele Designer verschieben deshalb die Zunahmen in jeder zweiten Runde. Runde 4 kann dann zum Beispiel lauten: 1 fM, zun, (2 fM, zun) × 5, 1 fM. Die Maschenzahl bleibt bei 24, die Rundung wird gleichmäßiger.
Unsichtbare Abnahme nutzen
In der unteren Hälfte sorgt die unsichtbare Abnahme dafür, dass keine Beulen oder Lücken entstehen. Sie wird nur in die vorderen Maschenglieder gehäkelt und legt sich flach ins Maschenbild.
Dicht häkeln
Für Amigurumi wird mit einer Nadel gearbeitet, die etwas kleiner ist, als die Banderole empfiehlt. So bleibt das Maschenbild dicht genug, dass die Füllung nicht durchscheint, auch wenn die Kugel prall gestopft ist.
Stopfen vor dem Schließen
Der richtige Zeitpunkt zum Stopfen ist, wenn die Öffnung noch groß genug für deine Finger ist, in der Tabelle nach Runde 12. Nimm die Füllwatte in kleinen Büscheln und schiebe sie zuerst in die obere Rundung, dann an die Seiten. Die Kugel soll fest sein, aber die Maschen dürfen sich nicht so weit dehnen, dass Lücken entstehen. Nach Runde 13 stopfst du mit dem Ende der Häkelnadel oder einem stumpfen Stab nach. Welche Füllung sich eignet und wie viel du ungefähr brauchst, steht im Beitrag Füllwatte für Amigurumi.
Die Kugel schließen
Nach Runde 14 liegen noch 6 Maschen um eine kleine Öffnung. Schneide den Faden mit etwa 20 Zentimetern Rest ab und ziehe ihn durch die Schlinge auf der Nadel. Fädle ihn in eine Stopfnadel und führe ihn nacheinander durch das vordere Maschenglied jeder der 6 Maschen, immer von außen nach innen. Ziehe den Faden dann fest an: Die Öffnung schließt sich wie ein Beutel. Stich anschließend durch die Kugel hindurch, ziehe den Faden auf der anderen Seite heraus, ziehe leicht an und schneide ihn dicht an der Oberfläche ab. Das Ende verschwindet im Inneren.
Soll die Kugel später an ein anderes Teil angenäht werden, zum Beispiel als Kopf, lässt du den Faden stattdessen lang hängen und nutzt ihn zum Annähen.
Varianten der Kugel
Aus derselben Rundentabelle entstehen mit kleinen Änderungen weitere Formen. Lässt du die Abnahme-Runden weg und häkelst nach den geraden Runden einfach weiter, entsteht ein Zylinder, etwa für einen Körper oder ein Bein. Brichst du nach wenigen geraden Runden ab, bekommst du eine Halbkugel, die sich als Schnauze oder Mütze eignet. Und wenn du unten mit weniger Abnahmen pro Runde, dafür über mehr Runden abnimmst, entsteht eine leicht zugespitzte Form wie ein Tropfen. Probiere diese Varianten an Probestücken aus, dann erkennst du sie später in jeder Anleitung wieder.
Häufige Probleme bei gehäkelten Kugeln
- Die Kugel ist eher ein Ei: Zu viele Runden ohne Zunahme. Nimm eine oder zwei gerade Runden weg.
- Die Kugel ist flach wie ein Kissen: Zu wenige gerade Runden oder zu wenig Füllung.
- Oben ist sie spitz: Die ersten Runden wurden sehr fest gehäkelt. Achte auf eine gleichmäßige Spannung.
- Die Füllung schimmert durch: Die Nadel ist für das Garn zu groß oder die Kugel ist überstopft.
- Die Maschenzahl stimmt nicht: Zähle nach jeder Runde und vergleiche mit der Zahl in der rechten Spalte.
Kurz zusammengefasst
- 6 fM in den magischen Ring, dann pro Runde 6 Zunahmen.
- Etwa so viele gerade Runden häkeln wie Zunahme-Runden.
- Spiegelbildlich abnehmen, idealerweise mit der unsichtbaren Abnahme.
- Stopfen, solange die Öffnung noch groß ist, und vor dem Schließen nachstopfen.
- Die letzten 6 Maschen mit der Stopfnadel zusammenziehen und den Faden im Inneren verschwinden lassen.








