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TECHNIKEN

Ins hintere Maschenglied häkeln: Kanten, Rippen und Anschlussrunden

Von Crochet-Pdf.com··5 Min. Lesezeit

Jede Masche hat oben ein vorderes und ein hinteres Maschenglied. Wenn du nur ins hintere häkelst, entsteht eine sichtbare Kante – ideal für flache Böden, Rippenmuster und Teile, die später angehäkelt werden.

Ins hintere Maschenglied häkeln: Kanten, Rippen und Anschlussrunden

Ins hintere Maschenglied häkeln heißt: Du stichst nicht unter beiden Schlingen der Masche ein, sondern nur unter der Schlinge, die von dir weg zeigt. Das vordere Glied bleibt frei und bildet eine sichtbare Linie. So entstehen flache Böden bei Amigurumi, Rippenmuster in Reihen und Stellen, an denen du später weiterhäkeln kannst.

Vorderes und hinteres Maschenglied erkennen

Schau dir eine Reihe fester Maschen von oben an. Jede Masche bildet dort ein kleines liegendes V aus zwei Schlingen. Die Schlinge, die näher zu dir liegt, ist das vordere Maschenglied, die Schlinge, die von dir weg zeigt, das hintere. Normalerweise stichst du unter beiden Gliedern ein. Bei dieser Technik nimmst du gezielt nur eines davon.

In Runden, wie sie bei Amigurumi üblich sind, liegt das vordere Glied auf der Außenseite des Teils und das hintere auf der Innenseite. Das ist wichtig für das Ergebnis: Die frei bleibenden Schlingen zeigen sich immer auf der Seite, die dem genutzten Glied gegenüberliegt.

TechnikDeutschEnglischWas sichtbar bleibtTypischer Einsatz
beide Gliedernormal einstechen–nichtsfast alle Runden
nur hinteres GliedhMgBLO (back loop only)Linie aus vorderen Gliedern außenBodenkante, Rippen, Anschlussrunde
nur vorderes GliedvMgFLO (front loop only)Linie aus hinteren Gliedern innenRüschen, Röckchen, Kragen

Die deutschen Abkürzungen sind nicht einheitlich. Manche Anleitungen schreiben „nur hMg“, andere „in das hintere Maschenglied“ oder verwenden die englischen Kürzel. In einer Häkelschrift erkennst du die Technik an einem kleinen Bogen unter dem Maschenzeichen.

So häkelst du ins hintere Maschenglied

  1. Arbeite bis zu der Runde oder Reihe, in der die Anleitung „nur hMg“ verlangt.
  2. Kippe die Arbeit leicht zu dir, damit du die Oberkante der Maschen gut siehst.
  3. Stich von vorne nur unter dem hinteren Glied ein. Das vordere Glied liegt dabei vor deiner Nadel.
  4. Häkle die Masche wie gewohnt fertig, bei einer festen Masche also Faden holen und durch beide Schlingen ziehen.
  5. Wiederhole das für jede Masche der Runde. In der folgenden Runde stichst du wieder unter beiden Gliedern ein, sofern nichts anderes angegeben ist.

Die Masche selbst ändert sich nicht – nur die Einstichstelle. Wenn du feste Maschen noch unsicher häkelst, lohnt sich zuerst ein Blick in unsere Anleitung feste Maschen häkeln.

Einsatz 1: Der flache Boden bei Amigurumi

Viele Figuren sollen stehen: Füße, Körper mit flacher Unterseite, Töpfchen oder Körbchen. Die Anleitung lässt dich dann zuerst eine flache Scheibe häkeln, indem du in jeder Runde zunimmst. Damit die Wand danach im rechten Winkel nach oben wächst, folgt eine Runde nur ins hintere Maschenglied. Die nicht genutzten vorderen Glieder bilden außen eine feine Linie, an der das Teil abknickt. Ohne diese Runde würde der Boden in einer weichen Rundung in die Seitenwand übergehen.

Nach dieser einen Runde häkelst du wieder ganz normal unter beiden Gliedern weiter. Die Kante bleibt trotzdem erhalten, weil die Maschen der Wand auf der inneren Schlinge aufsitzen.

Einsatz 2: Später ansetzen – die Anschlussrunde

Die frei gebliebenen Glieder sind nicht nur Dekoration. Du kannst später mit neuem Faden in sie einstechen und dort ein weiteres Teil anhäkeln. Ein klassisches Beispiel ist ein Puppenrock: Der Körper wird in einer Runde nur ins hintere Glied gehäkelt, und nach dem Fertigstellen häkelst du in die übrigen vorderen Glieder einen Rock, der frei absteht. Die Anleitung sagt dir in solchen Fällen, ob du in der betreffenden Runde ins vordere oder hintere Glied arbeiten sollst, und wo du später wieder ansetzt.

Einsatz 3: Rippenmuster in Reihen

In Reihen gearbeitet entsteht etwas ganz anderes. Häkelst du in jeder Reihe nur ins hintere Glied und wendest dazwischen, liegen die freien Glieder abwechselnd auf Vorder- und Rückseite. Es bilden sich waagerechte Rippen, die dehnbar sind und an ein gestricktes Bündchen erinnern. Diese Struktur wird gerne für Mützenränder, Schals oder einen Strickoptik-Kragen bei Figuren verwendet.

Und wann ins vordere Maschenglied?

Das vordere Maschenglied ist das Gegenstück. Häkelst du eine Runde nur dort hinein, bleiben die hinteren Glieder auf der Innenseite frei. Außen entsteht dabei keine Linie, die Maschen der neuen Runde stehen vielmehr leicht nach außen ab. Anleitungen nutzen das zum Beispiel für Rüschen, Blütenblätter oder eine Hutkrempe, die vom Kopf weg zeigt. Auch hier gilt: Die frei gebliebenen hinteren Glieder kannst du später für eine Runde nach innen verwenden, etwa für ein Futter oder einen zweiten Rand.

Ob vorne oder hinten – entscheidend ist, dass du die Anweisung der Anleitung genau für die genannte Runde befolgst. Ein Glied zu verwechseln fällt meist erst auf, wenn die Kante auf der falschen Seite liegt.

Häufige Fehler und Lösungen

  • Die Kante erscheint innen statt außen. Die Arbeit liegt verkehrt herum, also mit der Innenseite nach außen. Prüfe vor der Runde, welche Seite außen liegt; bei Amigurumi ist das die Seite, auf der die Maschen wie kleine V aussehen.
  • Das Gehäkelte wird schmaler. Wer nur ein Glied nimmt, zieht oft fester an. Achte auf eine gleichmäßige Fadenspannung.
  • Glieder verwechselt. „Back“ heißt hinten, „front“ vorne – gemeint ist immer die Lage aus deiner Sicht beim Häkeln, nicht die Vorderseite der Figur.
  • Weiter nur ins hintere Glied gehäkelt. Die Anweisung gilt meist für genau eine Runde. Lies die nächste Zeile, bevor du weitermachst.

Das „dritte Maschenglied“ beim halben Stäbchen

Bei halben Stäbchen gibt es zusätzlich einen waagerechten Querfaden auf der Rückseite, unterhalb der beiden oberen Glieder. Er wird oft drittes Maschenglied genannt. Wenn du in diesen Querfaden einstichst, legen sich die oberen Glieder nach vorne und bilden eine ähnliche Linie wie beim hinteren Maschenglied, nur kräftiger. Manche Anleitungen nutzen das für Ränder und Bündchen. Wie die Begriffe in einer Anleitung genau geschrieben sind, erklärt unser Beitrag Häkelanleitung lesen.

Kurz geübt

Häkle eine kleine flache Scheibe aus vier Runden fester Maschen, dann eine Runde nur ins hintere Glied und drei Runden normal. Du hältst ein kleines Schälchen mit sauberer Kante in der Hand – genau die Form, aus der später Schuhe, Füße und Körbchen entstehen.

Häufige Fragen

Was bedeutet BLO in einer Häkelanleitung?+

BLO steht für „back loop only“, also nur ins hintere Maschenglied einstechen. Das Gegenstück FLO heißt „front loop only“, nur ins vordere Glied.

Wie viele Runden häkle ich für einen flachen Boden ins hintere Maschenglied?+

In der Regel genau eine Runde. Sie erzeugt die Kante, an der das Teil abknickt. Danach häkelst du wieder unter beiden Gliedern weiter, wenn die Anleitung nichts anderes sagt.

Wird das Häkelstück dünner, wenn ich nur ins hintere Glied steche?+

Das Maschenbild wird etwas offener und dehnbarer, weil jede Masche nur an einer Schlinge hängt. Bei einer einzelnen Runde merkt man das kaum, bei vielen Reihen entsteht eine elastische Rippenstruktur.

Kann ich in die frei gebliebenen vorderen Maschenglieder später weiterhäkeln?+

Ja, genau dafür werden sie oft stehen gelassen. Setze mit neuem Faden in einem der freien Glieder an und häkle die Runde rundherum, zum Beispiel für einen Rock oder eine Krempe.

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